Ein eigenes Logo als Grafiker/in oder Illustrator/in?

 

Um die Frage am Anfang gleich zu beantworten: Ja!

Auch ihr seid in der Medienlandschaft unterwegs und wollt gesehen werden. Da bietet es sich natürlich an ein passendes Logo zu gestalten, egal ob ihr Grafikdesigner/in oder Illustrator/in seid. Der Vorteil, wie bei euren Kunden auch, ihr werdet viel eher wahrgenommen und unterscheidet euch von euren Mitbewerbern. Je besser das Logo ausgearbeitet ist, desto positiver fallt ihr auf. Für das eigene Logo sollte man daher auch ordentlich Gehirnschmalz investieren, da es um die Präsentation eures eigenen Business geht.

Ich sehe oft Logos von Designern oder Illustratoren, die sich selbst nicht an die Regeln der Logogestaltung halten. Die Frage ist hier warum? Vielleicht, weil man selbst in aller Eile ein Logo erstellen musste und irgendwas brauchte, oder weil man mal was ganz anderes ausprobieren wollte und sich dann verrannt hat.

Tatsache ist, mit eurem eigenen Logo zeigt ihr auch eure gestalterischen Fähigkeiten und ihr transportiert damit eine Aussage. Ihr zeigt damit nach außen, ob ihr eurer Handwerk beherrscht und darum sollte es auch in aller erster Linie gehen. Ich meine, wie oft beurteilt man ein Unternehmen nach der äußerlichen Gestaltung? Da können die angebotenen Dienste und Produkte noch so gut sein, ist die visuelle Erscheinung Murks, wird es sich anfangs als schwierig erweisen, die Kunden von sich zu überzeugen.

Um ein wenig Licht in den dunklen Gestalterwald zu bringen, möchte ich euch deshalb ein paar Tipps ans Herz legen und im Folgenden auf ein paar gängige Fehler eingehen.

 

Gut durchdacht und geplant – das eigene Logodesign

Ihr könnt euren Namen nutzen oder unter einem Label auftreten, egal welche der beiden Optionen ihr für euer Logodesign wählt, nehmt euch auf alle Fälle Zeit für die Entwicklung eures Logos. Sollte es aus irgendeinem Grund sehr schnell gehen müssen, dann verzichtet lieber erstmal auf euer Logo und entwickelt es später. Derweil könnt ihr einfach unter eurem Namen auftreten, mit einer schön gesetzten Typografie sollte das kein Problem sein. Auch die gesetzte Wortmarke kann schon euer Logo sein, das kommt zum Schluss ganz auf eurer Business und eure Einstellung an. 😉

Ein gern gesehener Klassiker bei Unternehmen ist es nämlich, sich keine Zeit für die Logoentwicklung zu nehmen. Da wird dann schnell eine Wort-Bild-Marke in Windeseile zusammengeklöppelt, in der Hoffnung, dass es gut aussieht und ausreicht. So funktioniert gute Logoentwicklung aber leider nicht! Man sieht es einem Logo immer zu 100 Prozent an, ob es durchdacht ist und die Aussagen des Unternehmens transportieren kann. Das Herzstück eines Corporate Designs sollte man also immer pfleglich behandeln!

 

Wie erstelle ich mein eigenes Logodesign?

Macht euch in erster Linie Gedanken darüber, was ihr mit eurem Logo aussagen wollt bzw. welche Punkte euch bei eurer Arbeit am wichtigsten sind. Seid ihr z.B. vorwiegend im illustrativen Bereich unterwegs, könnt ihr auch eine Illustration zu eurem Logo machen. Ihr solltet nur Obacht geben, dass es nicht zu viel oder zu unübersichtlich wird. Zu viele gestalterische Elemente überladen das Logo und vermittelt dann keine klare Aussage mehr.

Die Ideenfindung kann auf ganz unterschiedlichen Wegen passieren. Manchmal hat man sofort eine Idee und weiß sehr schnell, was man umsetzen möchte. Man kann sich aber durch verschiedene Social Media Portale wie Instagram, Pinterrest oder Behance inspirieren lassen. Mir persönlich hilft es immer, den Kopf abzuschalten, spazieren zu gehen oder zwischendurch etwas anderes zu machen und nicht die ganze Zeit am Nachdenken und arbeiten zu sein. Dabei entspanne ich mich und mir fallen dann meist ganz spontan Ideen ein, die ich dann umsetzte.

Ihr könnt natürlich auch mit euren Freunden oder Familie über eure Ideen reden und fragen, was ihnen persönlich zu dem Thema einfällt. Eine anderer Vorschlag wäre auch, die Logogestaltung an einen anderen Designer abzugeben, wenn ihr selbst nicht weiter wisst oder einfach zu unsicher seid.

 

Klare Gestaltung oder doch lieber verspielte Bildidee?

Das kommt ganz auf euch selbst an und was ihr der Welt zeigen wollt. Das Logo kann eure Initialen oder nur euren Namen enthalten, gern könnt ihr auch eine Wort-Bild-Marke erstellen, also ein zusätzliches Bild mit einbinden. Es kommt auch darauf an, in welchem Bereich ihr arbeiten wollt. Bei Illustratoren bietet es sich natürlich an ein Bild-Logo zu gestalten, für reine Grafikdesigner kann es auch gern eine abstrakte Gestaltung oder eine Wortmarke sein. Wichtig ist, dass euer Logo auch in schwarz-weiß funktioniert und in klein gut erkennbar ist.

 

Welches Programm nutze ich dafür?

Man sollte meinen dieser Punkt ist jedem Gestalter bekannt. Aber tatsächlich sehe ich ein Haufen Logos, auch gern bei Illustratoren, die ein Bildbearbeitungsprogramm wie Photoshop, für die Erstellung ihres Logos nutzen. Das ist ein absolutes No-Go! Ihr müsst das Logo in einem Vektorprogramm erstellen, ganz egal ob es sich dabei um Illustrator oder ein anderes Vektorprogramm handelt. Spätestens wenn ihr euer Logo vergrößern oder farblich anpassen wollt, bekommt ihr Probleme. Wer möchte schon ein riesengroßes verpixeltes Logo haben? Genau, niemand! Mit Vektoren lassen sich solche Probleme sehr leicht umgehen. Auch beim Druck spielt das eine Rolle, z.B. kann man beim Plotten nur mit Vektoren arbeiten. Denkt also auch daran, dass ihr eurer Logo vielleicht auch noch auf anderen Medien einsetzen wollt, als auf Papier oder auf eurer Webseite.

 

Wieviel Farbe verträgt mein Logo?

Ein Logo darf natürlich gern farbenfroh und kräftig daherkommen. Man sollte allerdings bedenken, dass zu viel Farbe das Logo auch überladen kann und viele Farben schwieriger zu kombinieren sind. Am Ende sollte der Kontrast und die Farbstimmung passen. Ihr solltet auch darauf achten, dass das Logo am Ende noch in schwarz-weiß funktioniert.

Von Adobe gibt es auch ein sehr nützliches und kostenloses Tool, was einen bei der passenden Farbauswahl unterstützen kann: Adobe Color. Einige kennen das Programm vielleicht noch unter seinem alten Namen Adobe Kuler.

 

Ein Logo kann natürlich auch gern bunt sein, es kommt ganz darauf an für welches Unternehmen es ist. Für eine Versicherung wäre das hier wohl eher die falsche Wahl.


Da sieht ein einfarbiges Logo schon besser aus. Hier sieht man deutlich, dass das Logo einen einheitlichen Auftritt hat und viel leichter zu erkennen ist.

 

Typografie

Um auf die typografischen Feinheiten für die Logogestaltung eingehen zu können, bräuchte man einen kompletten Blogeintrag dafür. Deshalb nenne ich hier jetzt erstmal nur die gängigsten Fehler.

Schriftwahl

Achtet bei eurem Logo auf die Schriftwahl. Viele Logos verwenden die gleiche Schrift und wirken dadurch beliebig und austauschbar. Es kann deshalb nicht schaden mal über den Tellerrand zu schauen und eine andere Schrift zu probieren. Dabei kann man sich auf Plattformen wie MyFonts oder FontShop Schriften kaufen, was auf jeden Fall gut angelegtes Geld ist.

Wer nur einen schmalen Geldbeutel hat kann auf Seiten wie Creative Market oder THE HUNGRY JPEG Schriften günstig erwerben. Achtet hier aber auf die Vergabe der Lizenzrechte und einen vollständigen Schriftensatz.

Und wer momentan sehr knapp bei Kasse ist, kann sich kostenlose Schriften auf Seiten wie Fontsquirrel und Google Font runterladen. Diese Schriften sind meist kommerziell wie privat nutzbar. Natürlich handelt es sich hier meist um eine Schrift mit wenigen bis nur einem Schriftschnitt. Manche Schriftdesigner stellen ihre Schriften auch kostenlos ins Netz, um zu schauen wie sie beim Publikum ankommen. Page veröffentliche hierzu auch einen Artikel, in dem sie verschiedene Schriften vorstellte. Hierbei solltet ihr euch allerdings immer gründlich die Nutzungsbedingungen durchlesen, nicht jede Schrift ist für den kommerziellen Zweck freigegeben.

Ein Hinweis noch zu freien und günstigeren Schriften: die meisten dieser Schriften sind nicht richtig ausgearbeitet und es fehlt häufig der typografische Feinschliff, den eine Schrift braucht. Deshalb solltet ihr genauer hinschauen, wenn ihr solch eine Schrift benutzten wollt.

Den Abstand wahren

Viele Schriften sind schlecht bzw. überhaupt nicht ausgewogen in ihrem Kerning. Was im Klartext bedeutet, dass die Abstände zwischen den Buchstaben nicht ausgeglichen oder angepasst sind. Denn nicht jede Schrift ist (besonders die Kostenlosen) gut gekernt und braucht manchmal eine kleine Nachbearbeitung.

 

Dies hier ist ein normal gesetzt Wort ohne Kerning. Dabei sieht man schon, dass die Abstände der Buchstaben unausgeglichen sind. Durch das zweite Beispiel fällt es noch deutlicher auf.

 

Hier sieht man, dass die Abstände der Buchstaben ausgeglichen sind und ein einheitliches Bild ergeben.

Weniger ist manchmal mehr

Zu viele Schriften solltet ihr eurem Logo nicht verpassen, das erschwert die Lesbarkeit und überlädt das Logo, genauso wie zu viele Farben. Zwei Schriften sollten es maximal sein, da sonst die visuelle Aussage erschwert wird oder verloren geht. Ein Logo sollte auf den ersten Blick gut erkennbar und klar gestaltet sein.

 

Analog vs. Digital

Druckt euer Logo aus! Wenn man die ganze Zeit am PC arbeitet, verliert man oft den Blick fürs Wesentliche. Und da Logos auf dem Bildschirm anders wirken als auf Papier, ist es wichtig es auch im gedruckten Zustand zu sehen. Hier könnt ihr auch gleich unterschiedliche Größen probieren und schauen ob das Logo auch in klein funktioniert. Vor allem könnt ihr auf Papier Ungenauigkeiten besser sehen und korrigieren, da ein Blatt Papier viel angenehmer für das menschliche Auge ist, als der Bildschirm. Wichtig ist auch das Logo aus der Ferne zu betrachten, hier sieht man die Wirkung einfach besser.

Ein kleiner Tipp noch zum Schluss, lasst eure Logogestaltung mal für zwei, drei Tage liegen und macht etwas anderes. Es hilft innerlich Abstand zu gewinnen, da Logoarbeit auch eine sehr intensive und anstrengende Arbeit sein kann. Denn schaut man dann nach ein paar Tagen wieder auf die Gestaltung, fallen einem vielleicht noch Fehler auf oder man merkt, dass das Logo noch nicht ganz rund ist. Manchmal entsteht dann auch noch eine bessere Idee, die auf dem vorhergehenden Logo aufbaut. Wenn einem das Logo mit ein paar Tagen Abstand dann immer noch gefällt, ist der Weg zur Fertigstellung nicht mehr weit. 🙂

 

Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass man natürlich keine Logos klaut oder kopiert. Aber ich denke das weiß im Grunde jeder Gestalter. Inspiration ist ok, aber eins zu eins Logos klauen ist nicht besonders clever. Wagt euch an eure eigenen Entwürfe, auch wenn sie vielleicht nicht gleich euren Vorstellungen entsprechen. Arbeitet einfach daran und lasst euch von anderen inspirieren. 😉

Wie immer hoffe ich, der Blogeintrag hat euch gefallen und bringt euch ein Stück weiter. Ich freue mich über Kommentare oder Zuschriften. 🙂

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